Reisebericht Schweden Norwegen  2013 

                                26.06. - 06.07.  -    4153 km       

 

 

Da ist sie nun: die erste Reise ganz allein. Ohne Reisepartner.

Tage vorher habe ich gemischte Gefühle, ob ich das alles hinbekomme. Ob ich doch es lieber sein sollte. Aber dann kommt es wieder: Dieses Gefühl, loszufahren und was zu erleben. In Skandinavien.

Am Mittwoch, den 26.06., steige ich auf meine gepackte XT 660 Z Tenere und starte den Motor. Beide Kisten und die Packrolle sind voll mit, Zelt, Schlafsack, Werkzeug, Ersatzteile, Wäsche und Kochkram. Und Essen für Norwegen. Denn in Norwegen Essen kaufen ist ein böser Fehler! Ist nicht schlecht, aber von den Preisen kann einem schlecht werden.

 

Es ist frisch, bedeckt und böig als ich um ca. 9.45 Uhr in Lübeck losfahre.

Mir kommt die junge Transalp-Fahrerin, die in der Nähe von mir wohnt, entgegen und wir grüßen uns mit weit ausgestrecktem Arm beim Vorbeifahren.

Die Überfahrt von Puttgarden nach Rødbyhavn ist unruhig, da die See recht rau ist.

 

 

 

Ich bin insgesamt sieben Mal aufs Autodeck gegangen, um zu schauen, ob meine Tenere noch steht. Ich bin da echt empfindlich. Beim 7. Mal gehe ich dann zu ihr, um den Gurt zu checken. In dem Moment fällt mein Helm runter und ich fange ihn sofort auf. Er wäre sonst unter die Autos gerollt. Was für ein Glück!!!  

Als ich aus der Fähre rolle, bin ich wieder in Dänemark. Nächstes Ziel: Farø

Dort angekommen mache ich wie immer dort Pause auf dem Rastplatz neben der großen Brücke.

 

 

Würg! Gurke 

 

 

Lecker Wurst ! 

 

 

 

Die weiße Ware (Wohnmobile) sind auch zuhauf dort und stehen sich gegenseitig im Wege.

 
 

Es geht weiter nach Helsingør, um die Fähre in Richtung schwedischen Hafen Helsingborg zu nehmen. Unterwegs fängt es an zu regnen. Unter einer Brücke ziehe ich mir die Regensachen an. Das ist gut, denn es wird bis Ankunft meines ersten Etappenziels, Solhälls Camping in Ängelholm, nicht mehr aufhören zu regnen. Und das nicht zu knapp!! Es schüttet wie aus Eimern und es hagelt sogar. Das ist aber……schön.

Am Campingplatz angekommen, nehme ich eine Hytte (Hütte) für 500 SEK (ca. 57 Euro).

Abends sichte ich die Karten und lese in meinen Schwedisch-Büchern.

 

 

 

Die Idee mit der Hütte ist sehr gut, denn die gesamte Nacht lang schifft und stürmt es dolle.

 

 

Am 27.06. um 11.15 Uhr mache ich mich auf, weiter nach Nordosten zu fahren. Es ist zwar bedeckt, aber immerhin trocken. Die Regensachen können eingepackt bleiben.

Ich stelle mein GPS ein auf kürzeste Strecke, um auch kleine Wege zu nehmen. Klappt ganz gut. Allerdings hat das GPS bei mir viel zu tun, denn ich fahre oft nicht dort lang, was das GPS vorschlägt. Es muß permanent neu berechnen.

 

 

 

Ich bin wieder da !!!!

 

Endlich wieder Schotter !

 

 

 

   

 

Unterwegs kaufe ich bei einem ICA Market ein und besorge Konzentrater, Bananen und Salatgurken. Mmm!! Lecker! Schöne leckere Salatgurke! Ähm….habe ich das grad gesagt??  

Es ist immer noch sehr bedeckt und trocken. Allerdings echt frisch, so daß ich meine Winterhandschuhe anziehe. Ich habe übrigens meine Winterhandschuhe, meine Übergangshandschuhe sowie meine Sommerhandschuhe mit. Und ich werde alle drei Paar benutzen!

 

 

 

 

 

Vorbei an Odensjö in der Nähe vom Bolmensee, wo wir 2010 das erst Mal waren. Alte Erinnerungen kommen hoch……

 

Es geht weiter durch Lidhult.

 

Die Wolken zeigen erste kleine Lücken und die Temperatur steigt. 

 

 

Unterwegs rieche ich Essen, was grad zubereitet wird und bekomme fürchterlichen Hunger. Ein paar Kurven weiter sehe ich den Grund für den Duft: Eine Hundefutterfabrik……

 

In Trollhättan, südlich vom Vänernsee, mache ich Rast und suche ein Vandrarhem (auf Deutsch: Wanderheim; eine Art Jugendherberge).

 

 

 

Dort bekomme ich ein Bett, eine Toilette, eine Dusche und auch die Nutzung der großen Küche. Hier klaue ich mir ein paar Nudeln und koche sie. Dann brate ich den Inhalt einer Corned Beef-Dose an und haue die Nudeln rein. Mums!!! (schwedisch für lecker) 

 

Abends füllt sich das Vandrarhem und ich treffe eine junge Frau, die vergeblich versucht, das Flurfenster zu schließen. Sie sieht mich und textet mich gleich auf schwedisch zu. Ich komme mit meinem Standardsatz rüber, den ich auf diese Reise bestimmt 1000 Mal sagen werde:“Ursäkta. Jag talar bara lite svenska.“ (auf deutsch: Entschuldigung. Ich spreche nur wenig schwedisch; ausgesprochen: Uschäkkta. Ja tala bara liete svenska).

 Ich helfe ihr, das Fenster zu schließen und ich spreche mit ihr ne kleine Runde in einem Mix aus englisch und schwedisch.

Der erste Test: bestanden. 

Nun muß ich aber ins Bett.

 

 

Am 28.06. ist der Morgen sehr sonnig und mild.

 

Aber es bedeckt sich später teilweise.

Ich fahre los Richtung Vänernsee, wo ich die Westküste entlang fahren möchte inklusive die in den See reinragenden Landzungen. Ich will ganz viel Wasser sehen!

Das ist allerdings ein sehr schwieriges Unterfangen, da fast die gesamte Westküste privat ist. Aber ich bin ein paar Schotterstrecken gefahren.  

 

 

 

Und die Strecken an der Küste sind wunderbar kurvig! Einfach der Kracher! Hahn auf und Kurven schwingen. Trotz Reisegepäck ist die Tenere wunderbar handlich und gutmütig.  

 

 

 

 

 

Ich treffe ein junges Paar aus Hamburg mit einem über 25 Jahre alten umgebauten LT, die das erste Mal in Schweden sind und wir klönen ne Weile.  

 

An einer ruhigen Stelle entdecke ich einen kleinen Waldweg, aber traue mich nicht, diesen zu befahren, da er doch recht eng ist und ich nicht weiß, ob ich am Ende dort wenden kann. So laufe ich mit den Motorradsachen ne Weile diesen Weg, um am Ende festzustellen, daß ich ihn hätte locker befahren können. Super!! Ist ja auch gar nicht warm in den Sachen, wenn die Sonne ballert!! 

Ich wette, wenn ich nächstes Mal so losfahre, gibts tatsächlich keine Wendemöglichkeit.

 

 

 

Unterwegs fällt mir auf, daß meine linke Kiste nicht zu war! Argh!    Ich bin doch tatsächlich 30 km mit offener Kiste gefahren. Auch auf Holperstrecken. Kurz gecheckt……puh! Alles noch da. 

 

In Grunstad bei einem ICA nära (ein kleiner ICA Markt für einen kleinen Ort: ICA nah) decke ich mich mit Bananen, Salatgurken, eine Dose baked Beans, jeder Menge Elchwürste und Batterien für das GPS ein. Aber keine Schokolade, Kekse oder Kuchen mehr. Das ist tabu!  

Ein wenig plaudere ich mit der Kassiererin. Immer wieder fällt auf, wie freundlich die Schweden sind. Und wie sie sich freuen, wenn man als Ausländer wenigstens versucht, teilweise schwedisch zu sprechen. Sie schätzen es sehr, wenn man sich mit seinem Reiseland, ihre Heimat, auseinandersetzt.

 

 

 

Um ein wenig Strecke zu machen, fahre ich die stocklangweilige E45 ein wenig hoch, um auf der westlichen Landzunge des Vänernsees den Ort Ekenäs zu besuchen. Diese Landzunge reicht bis in die Mitte des riesigen Sees hinein. Ich will viel Wasser sehen!!

Unterwegs zur Landzunge, biege ich kurz rechts ab und finde über Schotterwegen einen kleinen Strand. Der ist einfach nur wunderbar und posiere meine Tenere schön vor dem Wasser. Der Boden ist so mit Wasser gesättigt, daß die Reifen ein wenig einsacken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als nach und nach zwei junge Mädchen und zwei Junge Frauen mich schräg anschauen, merke ich, daß das ein offizieller Badeplatz ist und ich mach mich schnell vom Acker……  Ursäkta! (Entschuldigung!). 

 

Als ich an der Landzunge bei Ekenäs ankomme, werde ich leider enttäuscht: Alles ist Privatgelände und ich habe keine Chance, irgendwo großartig viel Wasser zu sehen.  

Aber ich werde ein wenig mit wunderbaren kurvigen Strecken getröstet.

 

Und ich sehe meinen ersten Elch in freier Wildbahn!!! Juhuuu!   

 

Ich weiß, die Quali ist schlecht, aber es es immerhin mein erster in Freiheit lebender Elch  

 

 

Nun geht es langsam Richtung Nordwesten nach Norwegen.

 

 

 

Über Säffle komme ich in den Ort Arvika, wo ich eine Stuga (kleine Hütte) miete und mir abends Corned Beef  mit baked Beans mache. Der Campingplatz, Fiskeviks Camping, liegt malerisch an einem Wald mit See. Einfach traumhaft!! Und das Wetter spielt auch mit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 4. Tag fahre ich erst um ca. 12.30 Uhr los in Richtung Bortan.

 

Hier befahre ich wieder kleine und kleinste Wald- und Schotterwege, die teilweise ein wenig kniffelig sind. Grad allein und mit Gepäck.  Einfach traumhaft hier!!! Ich genieße diese Strecken einfach. Dafür bin ich hergekommen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Strecke mit sehr vielen Pfützen nutze ich, um meine Tenere ein wenig mit Wasser zu bespritzen. Platsch!! Juhuu! Platsch, platsch! Macht das Spaß!   PlatschRumsPlatsch!! Und ich bin über und über mit Wasser. Eine Pfütze war zwar nur kurz, aber dafür recht tief.

 

Aber hört, was ich dazu zu sagen habe:

 

 

 

 

Mit den gemeisterten Strecken steigen die Zufriedenheit und das Selbstvertrauen.

Auch wenn immer noch einige Erinnerungen vergangener Reisen hochkommen…..das lässt meine Laune teilweise sehr trüb werden.

 

Bei Kjerret überfahre ich die norwegische Grenze! Ich bin da! In Norwegen! Endlich!!

 

Manche Straßen sind hier so grob (aber auch teilweise in Schweden), daß sie aussehen wie Schotter. Würde man den Stiefel bei voller Fahrt auf den Asphalt schleifen lassen, dann würde sich das Profil sofort damit verzahnen und ich umgehend vom Bock gerissen werden. So zumindest der Eindruck.

Andere Straßen wiederum haben massiv die Beulenpest. Mit einem heißen Kaffee in der Hand würde dieser mindestens 20 cm nach oben hüpfen und denn Fahrerraum schön verbrühen. Aua!

Es wirkt so, als ob das Fahrzeug Schluckauf hat.

 

 

   
Weiter geht es nach Hamar.

  

Was wirklich stört, daß in allen Ortschaften nur 40 km/h erlaubt ist. Bei Häuseransammlungen sind es 60 km/h. Und das alle paar Kilometer. Eine Strecke von grad mal 150 km zieht sich unheimlich. Außerhalb von Ortschaften sind es meist nur 70 km/h und das höchste der Gefühle sind 80 km/h. Man hat das Gefühl, daß man überhaupt nicht vorankommt.

 

Die Landschaft ist sehr schön und wird zusehends hügeliger. Man hat teilweise das Gefühl, im Harz zu sein. Nur das es hier schöner ist.

 

Zwei Mal muß ich in Norwegen tanken. Der Preis liegt bei über 1,81 Euro. Zwei Mal reicht wirklich………

 

Es fängt an zu regnen und ich suche einen Campingplatz. Eine Unterkunft zu finden ist im Gegensatz zu Schweden schwierig. Erst nach über 60 km finde ich einen Platz, der Hütten vermietet. Ich löhne 58 Euro und beziehe eine schöne Hütte an einem See in der Nähe von Hamar. 

 

  
 

Nachdem ich meine Wäsche gewaschen habe, brate ich mir wieder schön Corned Beef in der Pfanne.

 
 
 

 

Nachts muß ich zwei Mal hoch. Um 23.30 Uhr und um 1.20 Uhr. Und jedes Mal war es draußen recht hell. Tja, wir sind ja nun auch nicht in Timbuktu, sondern ziemlich weit im Norden Skandinaviens. In meiner geistigen Heimat. 

 


Am 30.06. ist der 5. Tag meiner Reise.

 

Um 7.40 Uhr stehe ich bei sonnigem, aber kühlem Wetter auf, packe alles, reinige die Hütte und werfe den Schlüssel der Hütte in den dafür vorgesehenen Briefkasten. Heute soll es Richtung Trondheim gehen und dann irgendwann nach Westen abbiegen, um einen Fjord zu suchen.

Aber heute ist etwas anderes.  

Es ist bedeutend anders! 

Die letzten Tage war ich immer etwas betrübt und auch melancholisch, wenn ich Orte gesehen bzw. besucht habe, wo „wir“ waren. Und oft kam der Gedanke, daß ich keine Lust mehr hatte, weiterzufahren. Ich habe dann schnell diesen Gedanken wieder aus meinen Kopf gewischt. Aber der Spaß hat darunter gelitten.

 
Aber heute……… ist es anders!

Meine Laune ist fabelhaft und ich habe richtig Lust, viel zu fahren! 

  

Mir macht es richtig Spaß, Kilometer zu reißen, den Einzylinder unter mir ballern zu hören, meinen breiten Lenker zu packen, um kurvige Strecken zu nehmen und Schotterpisten zu bewältigen.   

Ich habe richtig Freude dran, allein zu reisen und zu machen, was ich will.  

Aber was heißt allein? Ich bin im Prinzip nicht allein. Denn meine Tenere ist bei mir. Zu jeder Zeit.


Bann ist gebrochen! 

Und weiter gehts !!!!!!

 
 

Der Verkehr ist hier deutlich dichter als in Schweden.

Unterwegs biege ich ein Mal falsch ab und muß einen Umweg von über 40 km fahren, da es häufig in Norwegen keine Alternativstrecken gibt. Ich muß diese Strecke wieder Richtung Süden fahren, was mir überhaupt nicht schmeckt. Und das oftmals bei 40 und 60 km/h. Ich bin genervt!!

Ein paar Kilometer später sehe ich eine hübsche Norwegerin. Meine Laune ist wieder gut.

 

Da ich vor ein paar Tagen mit meiner dauernden spontanen Abbiegerei mein GPS genervt habe, schlägt es nun zurück.

An einer Stelle sagt es mir, daß ich umdrehen soll, da ich mal wieder spontan abgebogen bin. Hm, ok. Dann sagt es: Fahre hier links den steilen Schotterweg hoch. Und was ist?? Das ist ein privater Hof an einer schmalen geschotterten Straße! Und eine Sackgasse!! Und hier soll ich nun wenden?? Verdammtes Mistding…..

 
 

80 km weiter nördlich wird es deutlich einsamer und man kann durchgehend mit 80 km/h auf gutem Asphalt fahren. Nun machts richtig Spaß hier zu fahren!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 
 

 
 

 Die 607 ist einfach traumhaft!!

 

Rechts sind Berge, links unten Wasser. Automatisch fährt man langsamer, da der Kopf sagt, daß man bei einem Sturz nicht stürzt, sondern einfach ziemlich tief runterfällt.

 

Die ersten Berge mit Schnee kommen in Sicht.

 

  
 

 

Weiter gehts auf der 30. Absolut einsam mit viel Wald. Natur pur. Der Wahnsinn!!

 

 
 

Weiter Richtung Trondheim.

 

 
 

Unterwegs fährt ein junger Mann von vielleicht 17 Jahren mit seinem Leichtkraftrad und vollem Gepäck vor mir. Das ist bestimmt ein großes Abenteuer für ihn. Irgendetwas bläht dich hinten an seiner Tasche auf. Ein Bremsfallschirm? Aber so schnell sind wir doch gar nicht. Oder hat seine Schingschangpingpong keine Bremsen?

 Flupp! Das Ding fliegt aus seiner Gepäcktasche und entpuppt sich als Regenhaube für diese.

 Ich überhole hupend und signalisere ihn, daß er rechts ranfahren soll.

 Verdutzt schaut er mich an, als ich ihn auf Englisch anspreche und ihm sage, daß er grad etwas verloren hat. Sichtlich verunsichert nickt er und fährt zurück zu seiner auf der Straße liegenden Haube……

 
 

Was leider sehr schade ist, daß man häufig nicht die Möglichkeit hat, anzuhalten, um Bilder zu schießen. Links und rechts sind direkt an der kurvigen Fahrbahn (mit viel Verkehr) Leitplanken und man fährt an wunderschönen Landschaften vorbei, die auf dieser Reise der absolute Höhepunkt sind.

 Ich bin an 12 Wasserfällen vorbeigefahren. Und habe davon nicht ein Bild! Argh!!  

 Die 50 besten Bilder werde ich aber hier nicht zeigen, da ich sie nicht knipsen konnte.

Und wieder gibt es oft keine Alternativwege.

In Schweden biege ich gern mal rechts oder links ab und das GPS berechnet sofort eine günstige Alternativstrecke. Hier funktioniert mein System überhaupt nicht.

 
In Norwegen muß man drei Dinge beachten:

 
1. Man braucht eine gute Routenplanung

2. Man braucht Zeit

3. Man braucht Geld 
 

Und da es oft nur wenige bzw. nur einen Weg zu einem Ort gibt, ist dieser meist stark befahren. Besonders jetzt zu Ferienzeit mit unendlichen Mengen weißer Ware, die einem die Sicht nehmen und total lahmarschig umherschleichen.
 

 

Ich komme in Trondheim an. Um nach grad mal 15 Minuten wieder abzudüsen.

 Aber ich kann jetzt behaupten, daß ich in Trondheim war.

 

Der Verkehr ist so dicht, daß ich keine Lust mehr habe, Richtung Westen zu einem Fjord zu fahren, denn der Verkehr wird dort wohl noch dichter sein.

Auch habe ich ein weiteres Problem: Ich habe Höhenangst! 

Als ich auf kurvigen Straßen lang gefahren bin, wo es keinen Meter neben mir 150 und mehr Meter steil bergab ging, war ich völlig verkrampft. Das war nicht lustig. Bin halt ein Plattländler. 

Jetzt mag man mich als feige bezeichnen. Ja und? Ich gebs zu, daß ich damit Probleme habe und fertig. 

 

Es kann auch durchaus sein, daß ich Post wegen Maut bekomme.  

Während der Fahrt standen Schilder am Straßenrand, wo irgendwas mit automatischer Mautgebühr, Bezahlung oder so ähnlich draufstand. Mein Norwegisch ist halt nicht so gut.  

Aber es verunsichert einen. 

Sicher. Man hätte sich mehr informieren können. Ich habe zwar davon gehört, aber nicht daran geglaubt, weil es zu unsinnig erschien.  

Na, warten wir es ab.  

 

Ja, es mag blauäugig sein, aber so gehe ich nun mal an eine neue Sache ran. Losfahren und vor Ort merken, daß es nicht geht oder es anders ist, als man es sich vorstellt.  

Ist halt meine Art.

 
 

Würde ich wieder nach Norwegen fahren? Ja, auf jeden Fall! 

Allerdings würde ich erst in Höhe Trondheim über die Grenze fahren und vorher gut planen.

 Denn landschaftlich ist Norwegen ein wunderschönes  Land.

 

 

Nachdem ich Trondheim wieder verlassen habe, fahre ich auf der 30 Richtung Osten nach Schweden.

 

 

 

 

 

Je weiter ich nach Osten komme, desto einsamer wird es wieder. Und entspanne mich wieder deutlich!

 

 

 

 

  Und es wird teilweise irre kurvig, daß ich nur so jubel!!

Allerdings traue ich mich nicht wie üblich spontan abzubiegen. Ich lasse das lieber.

 

 

Es ist warm und sonnig.

 

In Schatten von Bergen ist es empfindlich kalt und ein eiskalter Wind pustet einem ins Gesicht. Aus dem Bergschatten raus, ist es warm und ein warmer Föhn pustet die Augen trocken. Das wirkt alles sehr seltsam.

 

Nach jeder Kurve (und davon gibts ne Menge!!!) jagt ein landschaftliches Highlight das andere! Der Blick geht rechts und links! 

Wunderschöne Flüsse mit Steinufern und eingerahmt mit Bäumen, Wasserfälle, malerische Eisenbahnschienen, wunderschöne alte Steinbrücken, Felsformationen, wo teilweise Wasser rausfließt, Berge mit jeder Menge Bäume, wunderschöne Steinformationen und in der Ferne Gebirge mit Schnee. 

Leute! Fahrt hierher! Es lohnt sich!  

Hammerstrecken und ein unglaubliches Landschaftsbild! 

 

 

Mal wieder gebe ich eine Strecke im GPS ein und stelle auf schnellste Strecke ein. Diese gefällt mir aber nicht und stelle es auf kürzeste Strecke ein. Lachend fällt das GPS aus dem Halter. Denn oft ist mangels Alternativstrecken die schnellste und die kürzeste die gleiche.

 

Ich will heute unbedingt in Schweden übernachten und gebe Gas! 

Mit teilweise 100 km/h und mehr baller ich die einsamen, kurvigen und wunderschönen Landstraßen Richtung Osten nach Schweden. Wir erinnern uns: Hier sind auf der Landstraße nur 70 bis 80 erlaubt. 

Es macht total Laune, die Tenere flink über die Landstraßen zu jagen. Vor der Kurve leicht Gas weg, im Scheitelpunkt leicht angasen und im Kurvenausgang Hahn auf!! Macht das Spaß!!!   

Ich muß mich beeilen, denn oft nehmen die Vandrahems nach 20 Uhr keine Gäste mehr auf. Und ich brauche dringend eine Dusche.  

Um 20 Uhr ist es geschafft! Ich habe die Riksgrense (Reichsgrenze) überquert und bin nun in Schweden. Ich fahre weiter Richtung Südosten und finde ein Vandrarhem in Tänndalen, der von einem kauzigen weißhaarigen alten Mann mit Zopf betrieben wird. Er war damals Kraftfahrer und fuhr auch in Deutschland und hat die Deutschen in guter Erinnerung. 

Er übergibt mir für grad mal 250 SEK die Schlüssel für ein Zimmer mit Kochnische und ich stapfe los zur Tür. Nanu? Sie ist ja auf! Ich trete ein und eine junge Frau steht verdutzt vor mir. Will er uns etwa zusammen in einem Zimmer schlafen lassen? OK, sie ist nicht hässlich, aber ich bin bestimmt nicht ihr Typ. Und ich habe eh kein Interesse. 

Ich bekomme nun ein wunderschönes und voll ausgestattetes Zimmer in seinem Hotel und zahle nicht drauf. 

Ich falle nach der Dusche hundemüde ins Bett, denn heute bin ich immerhin 11 Stunden Enduro gefahren!

 

 

Es ist der 6. Tag meiner Reise. Das Datum: der 1. Juli. Heute ist mein 43. Geburtstag.  

Mal schauen, was der Tag so bringt. 

Das Wetter ist frisch, aber trocken und sonnig. 

 

Blick aus dem Fenster vom Vandrarhem 

 

Um 8.30 bin ich hoch und fahre Richtung Südosten.  

 

Die Strecke ist einfach nur traumhaft und es fühlt sich an wie die unendlichen ländlichen Routen in Alaska oder Kanada.

 

 

 

 

 

Wie sie wohl da oben Rasen mähen.... 

 

 

Ich fahre über Hede Richtung Sveg. Hier sind jede Menge klasse Schotter und Waldwege, die unbedingt befahren werden müssen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Sveg muß ich tanken und stehe neben einen Laster der schwedischen Straßenwacht. Aus der Butik (ein schwedischer Tankstellenkiosk) kommen dann die Fahrer raus. Aber es sind Fahrerinnen! Ausgesprochen hübsche sogar!! Sie haben den oberen Teil ihrer Signalkleidung um die Hüften gebunden und haben nur Trägershirts und ihre Signalhosen an. Ich möchte zur Straßenwacht!!!! 

 

Weiter über Lillhärdal in Richtung Älvdalen. 

 

 

 

 

 

Am Straßenrand von Nirgendwo finde ich ein ausgebranntes Auto.  

Was hier wohl passiert ist? Und warum? 

 

 

Ich treffe ein paar weitere Schotterfahrer. Allerdings sind das keine Enduristen, sondern ein älteres Ehepaar, die einen alten Land Rover Defender haben. Wie cool ist das denn?!

 

 
 

Sieht ein wenig aus wie Cola 

 

 

 
 

 

 

 

 

Ca. 50 Kilometer vor Alävdalen finde ich wieder tolle Schotterpisten und fahre mit Freude drauf los.   

Aber irgendwas ist anders……...  

  Argh! Sie ist frisch aufgeschottert und ich bin schon bei über 80 km/h. Oh oh oh !!!!  

Der Lenker geht links, rechts, links, rechts. Immer mehr. Immer stärker.  

Mehr Gas? Ich glaub, daß wird nichts. Gas weg?  

Während ich das denke, fängt das Heck an, auch zu flattern.  

SCHEIßE !!!! Das geht nicht gut !!!!!! 

In dem Moment bricht mein Heck links zur Seite aus und die Tenere kracht zu Boden und schlittert noch einige Meter. 

Die rechte Kiste steht unten total von der Enduro ab. 

Völlig vollgepumpt mit Adrenalin springe ich auf, nehme den Helm ab, packe die Tenere am Lenker und hieve sie mit einem Ruck hoch. Sie steht wieder.  

Nachdem ich den Seitenständer ausgeklappt und die Jacke ausgezogen habe, stelle ich den Motor auf Leerlauf und drücke den Anlasser:“ Uiuiui popopopopopop……“ 

Puh! Sie läuft wie ne Eins. Braves Mädchen.  

So, mal schauen, was los ist. Der untere Halter der rechten Kiste ist durch den Sturz aus der Halterung gerissen und verbogen. 

 

 

 

 

 

 

Als die Kiste hochgeklappt ist, ist sie mit dem Kistenträger kollidiert und hat die Innenwand leicht nach innen gedrückt und den Deckel oben eingedellt. Der Kistenträgerhalter an der Kiste selber ist ein wenig nach außen gebogen.  

Aber die Sicherungsstange hat super gehalten und ist nur leicht verbogen! 

Ich habe die Kiste abgenommen und wieder neu eingehängt und siehe da: Trotz verbogener Teile sitzt sie sicher im Halter! Auch der verbogene Deckel lässt sich schließen. 

Das Kistensystem von „off the Road“ ist wirklich gut durchdacht und trotz des Sturzes mit über 70 km/h ist die Funktionstüchtigkeit voll gegeben!!  

Puh…. 

 

Aber was ist an der Tenere?! 

Ich mache einen Rundgang und schaue mir alles genau an. 

Nanu? Lag sie überhaupt?? Ich werd verrückt! Nur der Fußbremshebel ist leicht nach oben gebogen. Sonst ist nichts passiert!!! 

Hier hat Yamaha ganze Arbeit geleistet! Die XT 660 Z Tenere ist so durchkonstruiert, daß auch ein Sturz sie nicht in die Knie zwingen kann.  

Ich biege den Fußbremshebel vorsichtig mit der Zange ein wenig wieder zurück und stelle ihn auf niedrigste Stellung ein. Und schon ist alles wieder voll funktionstüchtig.

   

15 Minuten nach dem Sturz fahre ich wieder weiter und komme ich einen heftigen Platzregen. 

Na super…..

 

Egal wer das war, aber dieses Geburtstaggeschenk ist scheiße!!!

 

 

 

Später in Älvdalen fahre ich zum Turistbyrån (Touristenbüro) und frage die entzückende Dame nach einem Vandrarhem.

10 Minuten später habe ich mein Zimmer im Vandrarhem Rum & Frukost Älvdalen. 

Es ist zwar erst ca. 17 Uhr aber ich bin total erledigt. 

 

Nach der Dusche gehe ich in die große Küche und hau mir wieder Corned Beef in die Pfanne. Dort unterhalte ich mich noch mit einem sehr netten Schweden, der sehr gut deutsch kann. Er ist begeistert von meiner langen Tour allein. 

 

Der derzeitige Kilometerstand ist 2198 km seit der Abfahrt in Lübeck.  

Die meisten Höhenmeter hatte ich in Norwegen mit 744 Meter, die sich übrigens mit Knacken in den Ohren bemerkbar gemacht haben.

Und der nördlichste angefahrene Ort ist Trondheim mit einer einfachen Anfahrt von 1358 km von Lübeck aus. Wäre ich denn direkt hingefahren.

 

Früh falle ich ins Bett……… 

 

 

Am 2. Juli ist es wieder sonnig.

Ich fange langsam an, auf englisch und schwedisch zu denken. Das ist aber doof, denn dann versteh ich mich ja selber kaum.

 

Ich fahre in der Nähe von Mora über die E45 grob Richtung Malung. Es werden wieder Erinnerungen vom letzten Jahr wach. Aber es stört mich nicht mehr. 

Her sind wunderschöne Strecken. Trotz lädierten Fußbremshebel fahre ich immer wieder Schotter und Waldwege. Ich kanns einfach nicht lassen. Es macht zu viel Spaß!! 

 

hm....fehlt da etwa was?

 

Eigentlich darf ich da nicht rüber. Ist nämlich auf 1,5 to begrenzt 

 

 

 

 

Es wird wieder stark bedeckt und es wird wieder kalt.

 

Ich brauche Trinkwasser und mache an einem Rastplatz mit Toiletten halt. Dort an der Außenwand ist ein Schlauch und ein Becken. Aber wo ist der Wasserhahn? Hm…..da ist ein Knopf an der Wand. Da drücke ich doch mal drauf…….und der Schlauch mit einem dicken Wassestrahl schlägt um sich und ich bin total naß. Schnell das zappelnde Ende gegriffen, den Schlauch in die Flasche gehalten, die dann nach einer Sekunde auch schon übersprudelt.

Ganz großes Kino!! Zum Glück hat keiner eine Kamera in der Hand gehalten….. 

 

Ich fahre weiter auf der 26 durch endlose Wälder an Vanån und Vansbro vorbei. Immer wieder biege ich hier und da mal ab, um auch kleinste Strecken zu fahren.

 

Welch ein Genuß !!!

 

Durch viele kleine verschlafene Orte fahre ich, die fast menschenleer sind. Hier und da ist mal eine Kreuzung, wo doch mal tatsächlich mehr als 20 Menschen zu sehen sind wie in Mariestad und Filipstad.

Ich komme am nördlichen Zipfel des Vänernsees an und fahre dieses Mal die Ostküste runter.

 

 

 

Ich liebe Waldwege, aber jeder Pinkelstopp macht es zu einem Kampf ums Überleben. Denn Schweden ist auch das Land der Mücken und ich möchte nicht dort gestochen werden, wo es mir gar nicht paßt……..

 

 

Natur und Technik in absolutem Einklang

 

Im Vänernsee ist eine vorgelagerte Insel, die ich mir anschauen möchte. Dort fahre ich zum Fährhafen Brommö und mache eine kleine Pause.

Weiter gehts Richtung Süden an der Küste entlang. Teilweise habe ich nur wenige Minuten dauernde Platzregen.

 

 

An einer Kreuzung steht im Gegenverkehr mir ein 50Tonner gegenüber, der über meine Spur abbiegen möchte. OK, kommt vor und er wird ja – wie sonst auch die anderen – warten. Aber dieses Mal gibt er Gas und der Siebenachser überquert direkt vor meiner Nase meine Spur. Ich bremse von 90 km/h hart runter auf Null und komme sicher zum stehen.

Hinter mir höre ich laute Quietschgeräusche und schaue in den Spiegel. Dieser wird grad von einem weiteren Riesen-LKW ausgefüllt. Oh, oh…..

Aber auch er kommt sicher zum stehen.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, wenn ich zwischen den beiden Riesen klemmen würde…..

 

Bei Lidjöping (ausgesprochen: Liedschöpping) komme ich in einem Vandrarhem unter. Das Kollängens Vandrarhem in Götene liegt direkt an der E20.

Es ist ein altes umgebautes Gerichtsgebäude mit toller großzügiger Einrichtung und Ausstattung und viel Platz. Es ist stark verwinkelt und abends wirkt es ein wenig unheimlich. Auch bin ich heute der einzige Gast und man könnte meinen, die Stimmen der Verurteilten sind in dem Wänden zu hören…..

Ne, im ernst: Ist ein sehr schönes Haus im gehobenen Stil zu guten Preisen. Eine Person für eine Nacht: 275 SEK.

 

Morgens am .3 Juli fahre ich wieder recht früh los.

 

 

Ich fahre auf die Südostliche Landzunge bei Lidjöping zum Ort Spiken, um ein wenig Wasser zu sehen.

 

Hier sind wieder wunderbare kurvige Strecken die zur Schräglage animieren.

 

Noch schnell ein Eis und weiter. 

 

Plötzlich bricht ein junger Rehbock aus dem Wald und rennt direkt vor mir mit eingezogenem Hintern und schreckensweiten Augen über die Straße. Mensch! Was machst Du denn da??!! Puh!

 

Jetzt habe ich alles gesehen, was ich auf meiner Reise sehen wollte.

Jetzt wieder heim? Das ist doch erst der 8. Tag! Ne. Nix da! Es geht weiter.

Hm….ich wollte schon immer mal die Menschen auf Öland total mit meiner Knipserei auf dem Wecker gehen.

Na, dann mal los! Auf nach Öland!!

 

Ich fahre auf der 184 Richtung Skara und nutze auch – wie immer – kleine und kleinste Nebenstrecken. Mein GPS hat es endgültig aufgegeben, mich zu erziehen.

 

Auf einem schmalen Waldweg treffe ich auch einen Bagger. Argh. Mist. Hier wenden….na ok.

Der Baggerfahrer winkt mir zu, daß ich weiterfahren soll und macht mit seinem Raupenfahrzeug Platz für mich. Total nett.

Ich bedanke mich („Tack så mycket !“ – „vielen Dank!“) und rufe ihm noch zu:“ Jag älskar Skogvägar!“ – „Ich liebe Waldwege!“.

 

Weiter gehts über die 46 durch Ulricehamn. Dieses süße Örtchen liegt an einem wunderschönen See.

 

 

 

Auf der 157 fahre ich an Tranemo vorbei und fahre auf Nebenstrecken durch viele kleinste Orte wie z. B. Dalstorp. In Dalstorp kaufe ich beim ICA ein und fahre weiter grob Richtung Bolmensee. Es ist alles sehr bewaldet und das beruhigt ungemein. Und schöne Schotter und Waldwege gibts hier auch! 

 

 

 

 

Ich brauche langsam wieder ein Vandrarhem und lasse es dieses Mal von meinem GPS suchen. Und es klappt wunderbar! Es sind jede Menge Vorschläge bereits gespeichert und ich brauche mir nur noch eines aussuchen.

Ich komme in einem Vandrarhem bei Södra Ljunga, ca. 20 km östlich von der Südspitze des Bolmensees unter. Es regnet mal wieder ein wenig.

 

 

Gleich werden wieder die Dosen Corned Beef und beaked beans aufgemacht!  Mjam!!

Als Nachtisch gibts ne Banane.

 

 

Ich unterhalte mich noch mit einer jungen Mutter, die mit ihren drei Kindern auch hier übernachten will. Sie kommt aus Holland und lebt hier seit Jahren. Wir unterhalten uns sehr nett und ich spreche wieder mit meinem bewährten Mix aus englisch und schwedisch.

 

Das Vandrarhem sieht echt gut aus, allerdings ist es extrem hellhörig. Über mir höre ich zwei alte Omas rumtratschen und sie machen Geräusche, als ob sie mit ihren dritten Zähnen ihr Bettgestell anknabbern. Und das um 22.30 Uhr!

 

 

Ich möchte Euch noch etwas zu den Vandrahems in Schweden erzählen. Ihr habt bereits bemerkt, daß ich bisher mein Zelt gar nicht benutzt habe, sondern fast nur in Vandrarhems war. Sie sind bedeutend günstiger als Hotels und etwas günstiger als Hütten. Allerdings haben sie gegenüber Hütten einige entscheidende Vorteile: Man muß nicht das Gebäude verlassen, um auf Klo oder zur Dusche zu gehen. Das ist besonders nachts bei strömenden Regen eine echte Wohltat.

Auch ist die Küche im selben Gebäude.

In einigen Vandrarhems sind die sanitären Anlagen sogar im Zimmer in einem Nebenraum!

Was auch interessant ist, daß man in der Küche immer wieder auf die anderen Mitbewohner trifft, mit denen man sich austauschen und unterhalten kann. Da sind schon so manche interessante Charaktere dabei.

 

Oft ist das so, daß man vor einer verschlossenen Tür vor dem Vandrahem steht. Dann steht irgendwo eine Nummer, die man so direkt ins Handy eintippen kann. Man braucht auch nicht die internationale Vorwahl von Schweden, da man eh im schwedischen Telefonnetz mittels Roaming drin ist.

Kurz erzählen, was man will. In meinem Falle:“Hej, har Du en Rum för en Personer für en natt med Kök och Dusch för mig?“ (auf deutsch:“ Hallo, hast du ein Zimmer für eine Person für eine Nacht mit Küche und Dusche für mich?“)

Klappte bisher immer.

Ab und zu ist es belegt. Dann hört man: „Nej, har jag inte.“ (auf deutsch: „nein, habe ich nicht“)

Wenns klappt, dann hört man oft: „Ja, har jag.“ (auf deutsch: „Ja, habe ich“).

 

Bettzeug ist immer da, aber die Bettwäsche sollte man sich mitbringen. Ansonsten kostet das 100 SEK extra.

 

Der Herd ist meist eine Besonderheit! Man steht vor dem Herd, macht diesen an, stellt einen Topf auf die Platte und….es passiert nichts. Häufig habe sie nah am Herd eine Zeitschaltuhr – im Prinzip wie eine Eieruhr, nur mit bis 120 Minuten Laufzeit – die man erst mal anschalten muß.  

 

Nach dem Essen soll man selbstverständlich alles reinigen und abwaschen.

Morgens vor der Abfahrt wird das Zimmer gereinigt und die Bettwäsche abgezogen. Dafür ist ein Vandrarhem aber auch deutlich günstiger. Man muß vieles selber machen und säubern. Aber man kann kaum günstiger in Schweden unterkommen.

 

Ein Schild, daß zu einem Vandrarhem führt, sieht übrigens so aus:  

 

Auf diese Reise habe ich die Vandrarhems echt für mich entdeckt!!

 

 

Der nächste Morgen. Es ist der 4. Juli. Mein 9. Reisetag.

 

Heute fahre ich direkt Richtung Öland ohne Umwege. Anfangs sind es noch ein paar nette Wege.

 

 

Ein Video dazu, was mir leider misslingt.

 

 

Und hier klappts endlich!

 

 

 

Und ich sehe das da. 

Ein Troll, der mit dem total buschigen Rücken zu mir im Gebüsch steht. Ich halte an und knipse dieses Bild. Dann dreht er sich um und ich fange an zu lachen. Muha! Hat der aber einen kleinen……ups! Er schaut böse und stampft auf mich zu! Hui!! Schnell weg!!   

 

Die 25 nach Öland ist brüllend langweilig da schnurgerade, aber ich möchte heute Kilometer machen. Und es sehr diesig, kalt und feucht.

An Kalmar vorbei, komme ich auf die riesige Brücke, die auf Öland führt. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk! Gleich zu Anfang fährt man direkt über mehrere kleine und unbewohnte Inseln, die man von oben von der Brücke sehr gut sehen kann. Einfach klasse!

Auf der Insel angekommen, fahre ich direkt erst mal zur Südspitze auf der 136 und komme am Karlevi-Runenstein vorbei.

 

 

Auf dem Parkplatz am Runenstein entdecke ich jede Menge sehr kleiner Frösche. Auweia! Davon habe ich bestimmt schon ein paar totgetreten oder tot gefahren.

Und noch viel schlimmer! Französische Touristen sind hier. Die armen Dinger. Obwohl….sie lassen sie in Ruhe. Sind ihnen wohl zu klein.

 

Hier auf der Insel kann man ebenfalls wunderbar kleine und oft geschotterte Nebenstrecken fahren. Kurz vor der Südspitze treffe ich auf einen jungen Franken, der mit seiner BMW 1150 GS eine Sechs-Wochen-Tour vorhat. Respekt! Bin auch ein wenig neidisch. Auf die Frage hin, ob er auch Schotter und Waldwege fährt, verneint er. Denn wenn die GS fällt, dann bekommt er sie auch nicht mehr wieder hoch. Wir geben uns gegenseitig viele gute Tipps. Das macht echt Spaß! Wir klönen fast 2 Stunden.

 

Eine herrliche Heidelandschaft erwartet einen am Südzipfel, aber auch auf dem Weg dorthin. Einfach toll!!

 

 

 

 

 

Ich drehe um und fahre nun auf der östlichen Straße Richtung Nordzipfel. Beide Zipfel liegen ca. 148 km auseinander. Diese Straße ist teilweise brüllend langweilig, aber nun bin ich mal unterwegs und ich bin mir sicher, daß der Nordzipfel äußerst reizvoll ist. Hoffentlich…..

 

Die Nordspitze von Öland ist ein Traum!!!

Unglaubliche Steinplattenstrände, tolle Küstengebiete und das passende bombige Wetter dazu. Was stört, ist mal wieder die platzraubende weiße Ware.

 

 

 

 

Früh abends suche ich mir auf der Insel ein Vandrahem: Das Hagaby Lantgård. Aber so zauberhaft es ist, so teuer ist es auch. Ist halt der Inselzuschlag……

Es kostet mich mal eben 450 SEK.

 

 

Der 10. Tag bricht an.

 

Ich bin oft Opfer hinterhältiger und gewalttätiger Subjekte: Die schwedischen Mücken!!

Aber heute fällt es mir erst auf. Seit Tagen wurde ich nicht mehr gestochen. Nicht mal bei offenem Fenster kommen die Monster rein. Aber warum?

Hm….erst mal ins Bad auf Lokus…..ich komme zurück ins Zimmer und ein leicht beißender Geruch liegt in der Luft. Ich suche die Quelle…..und finde sie stehend neben ein paar elend verendeten Fliegen- und Mückenkadavern: meine Endurostiefel! 

Ich werde wohl vorher noch ein wenig lüften müssen……

Aber immerhin: Die Viecher lassen mich in Ruhe! devil

Wenn ich zu Hause bin, werden die Stiefel erst mal drei Tage auf den Balkon verbannt. Denn besser is……. 

 

Um kurz nach 8 Uhr verlasse ich das Vandrahem. Schönes, sonniges Wetter erwartet mich auf meiner Fahrt.

Wieder rüber über die faszinierende Brücke mit dem tollen Ausblick und fahre gleich direkt von der langweiligen Hauptstraße ab auf kleine Nebenstrecken. Es muß vorher kräftig geschüttet haben, denn alle Straßen sind naß. Aber ich habe Glück. Außer dem ersten Tag habe ich meine Regensachen für längeren Regen nicht mehr benutzen müssen.

 

Ich passiere kleine Orte wie Påryd und Tingaryd über wunderschöne kurvige, bewaldete Strecken, teils unasphaltiert.

 

Nettes kleines Gehöft mit einem Mitsommar-Baum

 

 

 

 

 

 

Die Landstraße 119 sticht hier hervor. Sie hat in der Gegend die besten Strecken!

 

 

 

Hier Lutz. Den See schenke ich Dir. Mußt ihn nur noch abholen. Sind auch nur  ein paar Hundert Kilometer.

 

 

Um die Mittagszeit besuche ich in Perstorp einen guten Freund: Bertil. Seine Frau Birgitta ist beim Arzt. Er lädt mich gleich ein zu Kuchen und Saft und wir klönen über eine Stunde. Obwohl er kein englisch kann und mein schwedisch nicht so dolle ist, geht das ganz gut.

 

Dann muß ich los nach Ängelholm.

Auf dem Weg dahin halte ich bei einem Sibylla an und esse einen Burger mit Pommes. Hach! Da werden wieder Erinnerungen wach.

 

 

In Ängelholm komme ich wieder bein Solhälls Camping an und miete mir dieses Mal ein günstiges Zimmer (auf schwedisch: Rum).

 

 

Ich bleibe aber nicht dort, sondern fahre zum Strand und mache ein paar schöne Aufnahmen.

 

 

 

Eigentlich möchte ich dort das UFO-Monument aufsuchen, aber irgendwie finde ich das nicht. Ich tigere dort durch den halben Wald und mir kocht das Wasser im Arsch bei der Hitze.

Fluchend tabere ich durch den Wald: “So ein Dreck! Gibts doch gar nicht. Wie kann man so ein Dingens so bescheuert verstecken?? Nur weil das Teil mitten im Wald gelandet ist? Darf das Ding das überhaupt? Hat er ne Erlaubnis? Wohl kaum!  Na, der soll sich mal nicht wieder hier blicken lassen. Die schwedische Polizei verpasst den ein Ticket, daß sich gewaschen hat. Geschieht diesen UFO-Typen ganz recht!!“  

 

Eine Ecke weiter steht es da. Hm….nett. Aber warum ist da oben ein Wasserhahn drauf. Hab ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt.

Na, ok. Nun bin ich halt hier und mach dem Ding eine Freude und knipse es.

 

 

Zum Hintergrund: 1946 soll hier eine UFO-Landung beobachtet worden sein und dieses Monument soll daran erinnern. Das ist meines Wissens das einzige Denkmal für eine UFO-Landung.

Der Besuch dieses Denkmals war die einzige Planung in meiner Schweden-Norwegen-Reise. Sonst habe ich absolut nichts geplant.

 

Bei einem Eisstand versenke ich meine letzten 30 SEK.

 

Abends bin ich wieder auf dem Campingplatz und gehe ein wenig spazieren. Ich denke über meine Reisetage nach. Wie ich schon vor 10 Tagen hier war mit einer ziemlich traurigen Stimmung. Aber heute Abend…….heute Abend ist meine Stimmung gelöst und entspannt.  

Ich habe mit der Reise das einzig Richtige gemacht!

 

Ein wunderschönes Abendbild beim Solhälls Camping

 

Morgen geht es wieder nach Hause……

 

Am 6. Juli, meinen 11. Reisetag, fahre ich bei sonnigem Wetter um 7.30 Uhr vom Campingplatz los Richtung Helsingborg zur ersten Fähre heute, die mich von Schweden nach Dänemark bringt.

Auf der Fähre spricht mich ein schwedischer Busfahrer an und fragt, was ich so mache. Und erzählt mir auch, daß er ne alte Transalp hat.

 

15 Minuten später kommt die Fähre in Helsingør an und ich fahre direkt auf die dänische Autobahn.

 

Auf Farø mache ich wie üblich eine kleine Pause, aber dieses Mal nicht lange.

 

Die Farø-Brücke

 

Schreiende Gören und drängelnde weiße Ware verkürzen meinen Stopp nachhaltig........

 

Also weiter nach Rødbyhavn.

Eine knappe Stunde später stehe ich am übervollen Terminal im Hafen und muß ne Weile warten, bis ich aufs Schiff kann. 

Nun geht es nach Deutschland! 

Auf der einen Seite bin ich traurig, denn diese Ruhe in Skandinavien finde ich nahezu berauschend. Aber ich freue mich auch, denn ich kann endlich wieder in meinem Bett zu schlafen, auf meinem Klo zu sitzen und meine Dusche zu benutzen. 

Auf der Fähre treffe ich einen BMW F 800 GS-Fahrer. Ich frage ihn, ob er aus Finnland kommt. Ne, aus Brasilien!!  

 

 

Er fährt für einige Monate durch Asien und Europa und will heute nach Hamburg.

Aber der Hammer kommt jetzt: Der Fahrer ist 71 Jahre alt!!! Respekt mein Lieber!! 

Ich helfe ihm noch, seine GS auf- und abzubocken und wir verabschieden uns herzlich.

Machs gut, Reisender!

 

Kurz lasse ich noch mal die Reise in mir ausklingen. Ein gutes Gefühl. 

 

Ich fahre die Rampe runter und begebe mich auf die A1 Richtung Lübeck.

Eine Stunde später bin ich fast zu Hause und wieder kommt mir die junge Frau mit ihrer Transalp entgegen und winkt. 

Nun stehe ich auf dem Garagenhof und öffne das Garagentor.

 

Meine Reise ist nach 4153 km zu Ende. 

Und es ist ein Happy End.

 

 

Fazit:

Ich hatte abgesehen vom ersten Tag fast nur tolles Wetter. Nur selten hast es geregnet.

 

Übigens: Ein 10minütiger Platzregen gilt in Schweden als Sonnenschein!  

 

Meine Tenere ist nach wie vor die erste und vor allem beste Wahl!

Sie hat genug PS für alle Lebenslagen auf der Reise.

Sie hat eine gewaltige Reichweite und ich hatte nie Spritsorgen.

Und selbst bei hartem Bodenkontakt kann ich sie auch im Reisetrimm allein aufheben.

Und das Beste: Trotz Bodenkontakt hat sie nichts von ihrer Funktionstüchtigkeit verloren.

Das soll ihr erst mal jemand nachmachen!!

 

 

Diese Reise war mit Abstand die interessanteste und vor allem wichtigste Reise von allen!

 

Warum ist sie die interessanteste?

Ich war in Norwegen! Das war zwar teilweise anstrengend, aber doch sehr, sehr schön. Landschaftlich der absolute Kracher! Und ich werde wieder dorthin fahren! 

Mein Sturz mitten im Nichts war auch interessant. Aber irgendwie unnötig.

Ich bin ja ein Moppel und ich habe über die Reisetage hinweg mehrere Kilos verloren. 

Ich habe das Zelt komplett spazieren gefahren und habe fast nur Vandrarhems genutzt. Ich bin echt auf den Geschmack gekommen.  Hier habe ich viel Erfahrungen sammeln können und meine Sprache verbessert. 

 

Aber vor allem war sie die wichtigste!! 

Ich hatte große Bedenken, ob ich allein reisen kann und mag. 

Klappt das mit der Sprache? Mit Zimmer oder Hütte mieten? Komme ich bei Gesprächen klar? Vermisse ich es nicht, eine Motorrad fahrende Frau bei mir zu haben, die schwedisch kann? Packe ich die Einsamkeit?  

Und die Erkenntnis kam am 5. Tag: JA!

Ich komme damit klar und ich habe richtig Spaß daran!! 

 

Das bedeutet folgendes: 2014 gehts nach Finnland!!! 

 

 

 

Was hätte ich noch gebraucht:

 

- ich befürchte eine Bordsteckdose

- leider einen Ersatz-Fußbremshebel 

 

 

 

Was habe ich nicht gebraucht:

 

- Zwar nicht geplant, aber dieses Mal war das Zelt und die Luftmatratze über.

   Aber so werde ich ja nicht immer reisen.

 

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